Archiv der Kategorie: Betriebsrat

Agenda 2020: „fit for digital“ soll über 330 Beschäftigten bei Fujitsu in Deutschland ihren Arbeitsplatz kosten

Was den Arbeitnehmern in Deutschland die Agenda 2010 eines gewissen(losen) Herrn Schröder gebracht hat ist jedem bekannt: Hartz IV.
Doch was bedeutet die Agenda 2020 für die Beschäftigten von Fujitsu in Deutschland?

Bereits im Oktober 2016 wurde der Belegschaft von Dr. Rolf Werner (Head of Central Europe) mitgeteilt, was das neue Programm Agenda 2020 der Belegschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz bringen wird:

Um „fit for digital“ zu werden, sollen bis Anfang 2019 in diesen Ländern insgesamt etwa 500 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz bei Fujitsu verlieren.

Damals fragte sich die Belegschaft von Fujitsu in Deutschland:

  • Was genau heißt das für die Belegschaft hier in Deutschland?
  • Wird nach der Schließung des Betrieb in Paderborn ein weiterer Betrieb in Deutschland geschlossen?
  • Werden IGM und Betriebsräte diesmal für den Erhalt der Arbeitsplätze kämpfen?
  • wird es wieder eine Namensliste i.S.d. § 1 Abs. 5 KschG geben?

Jetzt wurde der Belegschaft von Dr. Rolf Werner und Lothar Kuhn (Vorsitzender des Gesamtbetriebsrat) mitgeteilt, das in Deutschland insgesamt etwa 330 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz bis Ende März 2019 verlieren werden.
Die Verhandlungen zum Sozialplan und Interessenausgleich sollen bereits seit Wochen laufen und werden voraussichtlich bis Ende März 2017 beendet sein.
Weitere Einzelheiten sollen den Beschäftigten bis dahin nicht mitgeteilt werden, das sei so vereinbart worden.

Die Beschäftigten von Fujitsu in Deutschland wissen also bis dahin nicht, wer für die Beschäftigten verhandelt, was verhandelt wird, welche Betriebe vom Personalabbau betroffen sind, wie viele Beschäftigte in den einzelnen Betrieben entlassen werden sollen und auch nicht welche Bereiche betroffen sind.

Die Beschäftigten fragen sich, warum die Betriebsräte ihrer Informationspflicht gegenüber ihren Wählern in den Betrieben nicht nachkommen und warum die IGM nicht für den Erhalt der Arbeitsplätze in Deutschland kämpft.

Beschäftigte von Fujitsu können im
Forum von NetzwerkIt
über dieses Thema diskutieren und ihre Erfahrungen austauschen.

Plant Fujitsu Massenabgruppierungen von Tarifangestellten?

Nach einer gehaltsneutralen Einführung des neuen Tarifsystems ERA bei Fujitsu vor 3 Jahren sind jetzt anscheinend massive Lohnkürzungen durch Massenabgruppierungen geplant.

Am 1.2.2013 wurde leider auch bei Fujitsu ERA eingeführt, dass Schreckgespenst aller Angestellten. Stolz verkündeten damals die Betriebsräte von Fujitsu, dass niemand durch ERA ein geringeres Gehalt bekommt, auch weil sie eine Regelüberleitung der Beschäftigten beim Arbeitgeber durchgesetzt haben. Regelüberleitung bedeutet, dass die Beschäftigten nicht entsprechend ihrer Tätigkeit in ERA neu eingruppiert werden, sondern entsprechend ihrer bisherigen Tarifgruppe ohne weitere Einzelbetrachtung.

Überrascht rieben sich dann Anfang 2015 auch viele Betriebsräte die Augen, als Arbeitsdirektor Enno Jackwerth eine Überprüfung der bestehenden ERA-Eingruppierungen aller Tarifangestellten verkündete und Gerechtigkeitsgründe für diese geplante Maßnahme angab. Alle Tarifangestellten sollen nun doch nachträglich entsprechend ihrer Tätigkeit neu eingruppiert werden.

Seit dem laufen Geheimverhandlungen zwischen Fujitsu und dem Betriebsrat. Was genau verhandelt wird und was die Forderungen und Pläne des Arbeitgebers sind, erfahren die Beschäftigten nicht, der Betriebsrat schweigt wie üblich, kommt seiner Informationspflicht gegenüber den Beschäftigten nicht nach. Viele Beschäftigte befürchten große Gehaltseinbußen, von geplantem ERA-Betrug und Lohnraub ist die Rede.

Nach Gehaltseinbußen durch neue ERA-Leistungsbeurteilungen sollen nun also weitere Gehaltseinbußen durch neue ERA-Eingruppierungen erfolgen.

Beschäftigte von Fujitsu können im
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über dieses Thema diskutieren und ihre Erfahrungen austauschen.

Trifft Fujitsu Geheimabsprachen mit dem Betriebsrat über die Schließung des Betriebs in Paderborn?

Unser Verdacht:

„sind wir, also die gesamte Belegschaft von Fujitsu in Deutschland, nur Zuschauer eines Schmierentheater, veranstaltet von Gesamtbetriebsrat und Arbeitgeber, mit dem Ziel, das Ergebnis längst erfolgter Geheimverhandlungen möglichst schnell und geräuschlos bei der Belegschaft durchzusetzen?“

im letzten Blogbeitrag scheint sich zu bestätigen.

Welche Rolle der örtliche Betriebsrat in Paderborn dabei spielt, ist uns nicht klar: entweder ist auch er Zuschauer und Opfer dieses Schauspiels oder Nebendarsteller, der Unschuldig tut aber genau weiß, was im Drehbuch steht und danach handelt.

Die anscheinende Bestätigung unseres Verdachts erfolgt in unserem Diskussionsforum .

Ein Teilnehmer dort (er nennt sich „Der Paderborner“), der anscheinend über Insiderwissen aus dem Betriebsrat verfügt, behauptet:

  • der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrat Lothar Kuhn und sein Stellvertreter Paul Riegg wussten bereits sehr frühzeitig von der beabsichtigten Schließung des Betriebs in Paderborn
  • Lothar Kuhn und Paul Riegg haben eine Geheimhaltungsvereinbarung NDA unterschrieben damit sie mit niemandem über die Pläne reden
  • der lokale Betriebsrat in Paderborn erst auf eigene Nachfrage bei der Geschäftsleitung am 28.9.2015 über die beabsichtigte Schließung ihres Betriebs erfahren habe:
    „So und jetzt zudem Gerücht, dass der PDB BR schon ewig bescheid wusste: Laut dem Mailverkehr, welcher erst ende August begann auf London <-> FJJ Managementebene , wurde erst da das Team A programm beschlossen. ERst durch den Schreibtischfund dieser Mails wurde dem BR bekannt was ansteht. Was hatte der BR dann unternommen? Er hat sich an den Vorsitzenden von GBR und seinen Stellvertreter gewandt und nachgefragt ob die was wissen. Welche Antwort wurde gegeben? Ja wir wissen was, aber auf Grund eines NDAs dürfen wir nichts sagen. So jetzt beschuldigen Sie lieber Vorposter den lokalen BR das er nichts gesagt hat oder sonst der gleichen. Der Ball lag beim GBR und nicht beim BR. Aber was macht der GBR? Er lässt den lokalen BR in stich und dieser hat dann das gespräch zur Geschäftsleitung gesucht. Daraufhin fand ein informelles Gespräch statt am 28.09.2015. Dort hat die GL ihr vorhaben verkündet.“
  • der Wirtschaftsausschuss des Gesamtbetriebsrat erst am 14.10.2015 über die beabsichtigte Schließung informiert wurde:
    „Der Wirtschafsausschuss wurde erst am 14.10 darüber informiert was passieren wird.(Kann auch der Dienstag gewesen sein. Bin mir gerade nicht sicher)VG der Paderborner“

Gab es bereits Geheimverhandlungen zwischen den beiden Vertretern des Gesamtbetriebsrat und Fujitsu?

Für uns macht diese frühzeitige Information der beiden Vertreter des Gesamtbetriebsrat nur Sinn, wenn es danach bereits Geheimverhandlungen zwischen ihnen und der Geschäftsleitung von Fujitsu gegeben hat. Wahrscheinlich ist ihnen dort auch der vollständige Inhalt des Programms „Team A“ mitgeteilt worden, was neben der Schließung des Betriebs in Paderborn auch die weitere Entlassung von 100 Mitarbeitern im Produktbereich PSO enthalten soll. Möglich das noch weitere Entlassungen geplant sind: so gibt es immer noch das Gerücht über die Entlassung von 15000 MA in Japan und weiteren 15000 MA im Rest der Welt.

Aufgabe der beiden Vertreter des Gesamtbetriebsrat scheint es jetzt zu sein, die anderen Mitglieder des Gesamtbetriebsrat von dem Programm zu überzeugen um dann das Programm möglichst Geräusch- und Widerstandslos in den betroffenen Betrieben durchzuführen.

Beschrieben ist diese mögliche Vorgehensweise des Arbeitgebers hier: Arbeitgeberstrategien bei Betriebsänderungen

Vieles davon können wir beim Vorgehen des Arbeitgebers und der Betriebsräte beim aktuell geplanten (und auch bereits durch JUPITER erfolgtem) Personalabbau erkennen.

Welche Rolle spielt der örtliche Betriebsrat in Paderborn?

Er scheint bei dem Schauspiel, das uns Arbeitgeber und Gesamtbetriebsrat anscheinend darbieten, mit zuspielen.
Es gibt viele Empfehlungen und Hinweise wie eine gute Betriebsratsarbeit bei geplanten Entlassungen aussehen muss:

Betriebsänderung – Arbeitgeberstrategien

Betriebsänderung – Informationsphase

Widerstand der Beschäftigten gegen Personalabbau

aber nichts davon können wir in der Arbeit des BR in Paderborn wieder erkennen.

Statt dessen erklärt er der Belegschaft in einer E-Mail, dass ein bereits im Frühjahr vom Gesamtbetriebsrat verhandelter vorsorglicher Sozialplan auch für diese Betriebsschließung gültig sein soll, wogegen es mehr als begründete Zweifel gibt:

Vorsorglich vereinbarter Sozialplan:

„3. Als Ausgleichsregelung für eine Vielzahl denkbarer Betriebsänderungen beansprucht ein solcher vorsorglicher Sozialplan wegen seiner typischen Auffangfunktion regelmäßig nur in solchen Fällen Geltung, in denen die örtlichen Betriebsparteien im Falle einer konkreten Betriebsänderung, die in ihren Zuständigkeitsbereich fällt, von einer eigenen Ausgleichsregelung absehen und keinen Sozialplan vereinbaren.“

Vorsorglicher Sozialplan :

„Durch den Abschluss eines vorsorglichen Sozialplans für künftige Betriebsänderungen dürfen sich die Betriebsparteien nämlich nicht beliebig binden . Eine Grenze ergibt sich schon daraus, dass der Betriebsrat auf die Ausübung seines Mitbestimmungsrechts nicht verzichten darf. Ein unzulässiger Verzicht liegt vor, wenn der vorsorgliche Sozialplan für Betriebsänderungen abgeschlossen wurde, deren Gegenstand, Durchführung sowie ihre jeweiligen Rahmenbedingungen noch völlig ungewiss sind. In einem derartigen Fall kann nicht von der wirksamen Ausübung des Mitbestimmungsrechts ausgegangen werden.“

BAG: Fehlende Zuständigkeit des Gesamtbetriebsrates für Sozialplan:

„Vielmehr müsse auch bei einem Sozialplan gefragt werden, ob die Be-triebsräte in der Lage seien, einen solchen eigenständig abzuschließen. Diese Frage wird vom BAG regelmäßig positiv beantwortet. Dem stehe auch nicht entgegen, dass bei einer solchen Betriebsänderung das zur Verfügung stehende Geld gleichmäßig verteilt werden müsse. Anders als bei freiwilligen sozialen Leistungen, gebe es bei Sozialplänen regelmäßig keinen für die Gesamtmaßnahme zur Verfügung stehenden „Topf“.“

Im Diskussionsforum werden auch Gerüchte gestreut, dass der Gesamtbetriebsrat für die Verhandlungen zum Interessenausgleich zuständig sein soll, falls in anderen Betrieben von Fujitsu ebenfalls Beschäftigte (die Rede ist von 100 MA) entlassen werden sollten. Auch diese Aussage ist äußerst zweifelhaft, vieles spricht dagegen:

Betriebsrat, Gesamtbetriebsrat, Konzernbetriebsrat – Wer ist nach der Betriebsverfassung zuständig?:

„Die originäre Zuständigkeit des Gesamtbetriebsrates nach § 50 Absatz 1 BetrVG hingegen hängt von zwei Voraussetzungen ab, die beide gleichzeitig vorliegen müssen:

  • 1. Zum einen muss die Angelegenheit entweder das Gesamtunternehmen oder zumindest mehrere Betriebe des Unternehmens betreffen.
  • 2. Zum anderen darf die Angelegenheit nicht durch die einzelnen Betriebsräte innerhalb ihrer Betriebe geregelt werden können. Laut Bundesarbeitsgericht muss hier eine zwingende sachliche oder rechtliche Notwendigkeit für eine betriebsübergreifende Regelung bestehen.

In der Praxis scheidet die Zuständigkeit der Gesamtbetriebsrates häufig deshalb aus, weil die zweite Voraussetzung nicht vorliegt.“

Wie könnte der Betriebsrat in Paderborn den Eindruck entkräften das er auch Darsteller in diesem Schmierentheater ist?

Ganz einfach, falls die Behauptungen wegen der vom Gesamtbetriebsrat unterschriebenen Geheimhaltungsvereinbarung NDA stimmen, muss er:

  • das nur gegenüber der Presse bestätigen
  • Strafanzeige gegen den Arbeitgeber erstatten wie hier beschrieben.
    Eine Bestätigung gegenüber der Presse (die müssen ihre Quellen nicht preisgeben) wäre aber ausreichend (und fast ohne Gefahr für den BR), der Rest kommt dann von selbst!
  • und dann mit der Belegschaft zusammen arbeiten!

Wir halten es für sehr wahrscheinlich, dass die Behauptungen wegen der vom Gesamtbetriebsrat unterschriebenen Geheimhaltungsvereinbarung NDA stimmen.

Es gibt auch viele andere Hinweise auf so ein Vorgehen von Arbeitgebern:

Geheimhaltung beim Stellenabbau bei SBS

BR Geheimhaltungspflicht

NCI Aktuell Archiv: September 2010 (nach „NDA“ suchen)

Keine Umgehung des Betriebsrates durch Erklärung eines Stellenabbaus zum Betriebsgeheimnis

Aufforderung an die Geschäftsführung von Fujitsu:

Die Behinderung der Betriebsratsarbeit ist kein Kavaliersdelikt!

Falls die vorher genannten Behauptungen über ein Geheimhaltungsabkommen NDA zwischen Geschäftsleitung und den beiden Vertretern des Gesamtbetriebsrat stimmen sollten, fordern wird die Geschäftsführung von Fujitsu auf:

  • die Belegschaft darüber umfassend zu informieren und aufzuklären
  • diese massive Behinderung der Arbeit des Betriebsrat zu unterlassen
  • die Verantwortlichen sowohl Arbeits- als auch Strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen
  • sich in Zukunft an die Gesetze des BetrVG zu halten

Warum machen sich Betriebsräte zu Erfüllungsgehilfen des Arbeitgebers?

Darüber wird bereits hier:

Betriebsänderung – Arbeitgeberstrategien

einiges geschrieben.

Mögliche Erklärungen könnte man auch hier finden:

Abgasskandal: „Top-Betriebsräte von VW werden gesetzeswidrig bezahlt“

In unserem Blog haben wir bereits während des Massenentlassungsprogramms JUPITER gefragt:

Wie viel verdienen Betriebsräte bei FUJITSU?

Wir befürchten, das anscheinend das gleiche Schmierentheater von Arbeitergeber und Betriebsräten bereits damals während JUPITER aufgeführt wurde!

Beschäftigungsgesellschaft bei Fujitsu ein Flop

Betriebsrat von Fujitsu täuscht Belegschaft über den Erfolg der Beschäftigungsgesellschaft

Anfang des Jahres verkündet unser Gesamtbetriebsrat (durch die örtlichen Betriebsräte) den Abschlussbericht der Transfergesellschaft (train):

„Nach Ende des Transferprozesses mit dem 30.11.2014 berichteten Vertreter 
der Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft TRAIN dem GBR über Verlauf 
und Ergebnis der Transfermaßnahmen. Es gab zwei Eintrittstermine in die 
Transfergesellschaft, den 01.09.2013 (293 Mitarbeiter) sowie den 01.12.2013 
mit 107 Mitarbeitern. 

Die ehemaligen Kollegen wurden an 29 Orten von insgesamt 45 Beratern betreut. 
Die anfängliche Orientierungsphase in der train wurde von den Teilnehmern 
als gut bewertet. Das anschließende Coaching wurde von den Teilnehmern 
ebenfalls positiv bewertet. 

Leider wurden nur 71% des Qualifizierungsbudgets genutzt, der überwiegende 
Anteil für EDV-Qualifizierungen (43%), gefolgt von Maßnahmen zur Entwicklung 
von Soft Skills (16%) und Sprachen (15%). 

60% der Teilnehmer waren bei Eintritt über 50 Jahre alt, davon waren 17% älter 
als 60 Jahre. Insgesamt 39% waren weiblich und somit 61% männlich. 

In Summe konnten 174 ehemalige Kollegen in ein neues Arbeitsverhältnis vermittelt werden.

Von der Gesamtsumme von 400 ehemaligen Kollegen sind zwischenzeitlich einige 
erkrankt, einige sind in Rente gegangen oder dauerhaft erwerbsunfähig geworden. 
Daraus ergibt sich eine Gesamtintegrationsquote in den Arbeitsmarkt von 61%. 

Dieser Wert ist deutlich besser als noch vor einigen Monaten angenommen, 
aber deutlich geringer als vor Beginn der Maßnahme prognostiziert wurde.“

Da fragt sich die Belegschaft von Fujitsu:

Warum beschönigt unser Betriebsrat das in Wahrheit sehr schlechte Ergebnis der BQG (Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft) und behauptet, 61% wären in den Arbeitsmarkt integriert worden?

Diese Vermittlungsquote von 61% mag aus Sicht der Gesellschaft TRAIN nach Schönrechnerei vielleicht stimmen, aber warum gibt der GBR das unkommentiert an die Belegschaft weiter? Der GBR sollte nicht Sprachrohr von TRAIN sein sondern die Interessen der Belegschaft vertreten!

Aus Sicht der Belegschaft stellt sich das Ergebnis der BQG so dar, dass insgesamt 400 Kollegen und Kolleginnen in diese BQG eingetreten sind und nur 174 von ihnen wurden vermittelt.

Die Gesamtintegrationsquote in den Arbeitsmarkt beträgt also nur 43%!

(oder seit wann zählen nicht vermittelte Kranke, Rentner und Erwerbsunfähige als im Arbeitsmarkt integriert?)

Wie viele von diesen 43% auch die Probezeit im neuen Arbeitsverhältnis überstehen oder wie lange deren selbständige Tätigkeit wirtschaftlich tragfähig ist wissen wir nicht.

Das während der BQG-Zeit einige (nach den Zahlen des GBR müssen das immerhin 70 Kollegen und Kolleginnen sein!) erkrankt oder dauerhaft erwerbsunfähig geworden sind (vielleicht sogar als Folge der Drangsalierungen durch das Management von Fujitsu in die BQG einzutreten oder wegen der Hoffnungslosigkeit auf einen neuen Job durch die BQG?) darf doch nicht als Erfolg der BQG gewertet werden.
Und ob diejenigen, die frühzeitig in Rente gegangen sind das auch getan hätten, wären sie nicht aus Fujitsu heraus gedrängt worden, wissen wir auch nicht, darf aber ebenfalls nicht als Erfolg der BQG gewertet werden.

Wenn nur 71% des Qualifizierungsbudgets genutzt wurden, warum wurden die restlichen Geldmittel nicht zur Verlängerung der BQG genutzt?

Wie hoch war dieses Qualifizierungsbudget und wo bleibt das restliche Geld?

Laut Sozialplan 2.II.10 stellte Fujitsu für Qualifizierungsmaßnahmen pro Mitarbeiter 1500 Euro zur Verfügung als personenungebundene Pauschale. Bei 400 Mitarbeitern sind das insgesamt 600000 Euro. Ob weitere Gelder, zum Beispiel von der BA (Bundesagentur für Arbeit), dazugekommen sind, wissen wir nicht.
Falls die Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft die übrig gebliebenen 29% der Gelder, das sind mindestens 174000 Euro, behalten darf: welchen Ansporn sollte die Gesellschaft gehabt haben, sämtliche Gelder zur Qualifizierung unserer ehemaligen Kollegen und Kolleginnen zu nutzen?

Eine Verlängerung der BQG hätte durchaus im Sozialplan vereinbart werden können, ein Beispiel dafür ist hier zu finden

Kann unser Betriebsrat nicht rechnen?

43% + 16% + 15% = 74%, und nicht 71%, so wie vom BR verkündet.
Welche Zahlen sind nun richtig?

Was war Grundlage für die besser angenommen Prognose zu Beginn der BQG?

Hat der Betriebsrat selbst mit Teilnehmern in der BQG gesprochen?

Erfahrungen anderer Teilnehmer in BQGs waren nicht so positiv.

Bereits Mitte 2014 berichtete uns der Gesamtbetriebsrat:

„Bericht von der Transfer- und Integrations GmbH(Train) 
Als Folge des Jupiter-Programms sind ca. 400 ehemalige Mitarbeiter 
in der Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft beschäftigt. 
64 Mitarbeiter konnten aktuell wieder in eine neue Beschäftigung vermittelt 
werden. Aus Sicht des GBR’s ist diese Quote unbefriedigend.“

Da fragt sich die Belegschaft von Fujitsu:

  • Wenn bereits Mitte 2014 bekannt war, dass der Erfolg der BQG unbefriedigend ist, warum haben unsere Betriebsräte nicht auf eine Verlängerung der BQG gedrängt?
  • Seltsam: kurz vor dem Ende der BQG für den größten Anteil der Mitarbeiter (293) zum 31.8.2014 waren erst 64 Mitarbeiter vermittelt; dann plötzlich dieser „Vermittlungsendspurt“ von weiteren 110 Mitarbeitern!
    Wie ist das zu erklären?
  • Warum ist die Möglichkeit einer Verlängerung der BQG nicht bereits im Sozialplan vereinbart worden?

Unser Fazit zum Massenentlassungsprogramm JUPITER:

Das Management von Fujitsu hat sein Ziel erreicht, möglichst geräuschlos nahezu 20% der Belegschaft von der Payroll zu entfernen. Der (Gesamt)Betriebsrat hat sich mal wieder als unkritischer Erfüllungsgehilfe des Managements herausgestellt und geholfen, dessen Ziele gegen die Interessen seiner Wähler durchzusetzen.

Getreu dem Motto: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ hat es unser Betriebsrat dem Management von Fujitsu von Anfang an leicht gemacht, dessen Interessen gegenüber der Belegschaft durchzusetzen:

Anstatt Verhandlungen über angeblich notwendige Betriebsänderungen in jedem Betrieb zu führen und damit das Beste für jeden einzelnen Betrieb herauszuholen, machten es sich die gleichgeschalteten Betriebsräte der einzelnen Betriebe einfach und beauftragten den Gesamtbetriebsrat zu Gesamtverhandlungen.

Warum wählen wir eigentlich noch Betriebsräte zur Vertretung unserer Interessen, wenn diese gewählten Betriebsräte im Ernstfall ihre Verantwortung abgeben?

Die „Verhandlungen“ zu JUPITER führte dann das Management von Fujitsu mit ihnen schon aus anderen „Verhandlungen“ alt bekannten Gesichtern, aus einem Gremium (Gesamtbetriebsrat), das wir nicht direkt gewählt haben.

Über das Ergebnis dieser „Verhandlungen“ haben wir hier berichtet.

Mit dem Argument der schlechten wirtschaftlichen Lage des Unternehmens Fujitsu erpresste das Management sogar einen neuen (natürlich für Fujitsu billigeren) Sozialplan unseren „Interessenvertretern“ vom Gesamtbetriebsrat ab.

Pikant: wie sich später herausstellte, führte das gleiche „arme“ Unternehmen Fujitsu etwa Zeitgleich Verhandlungen mit IBM und bot mehrere Milliarden Dollar für dessen Serversparte!

Auch vor geheimen Vereinbarungen mit dem Arbeitgeber schreckt unser Betriebsrat nicht zurück: so haben wir bereits hier in unserem Blog nach dem Inhalt des 1. Nachtrag zum JUPITER Sozialplan gefragt, leider ohne bis heute eine Antwort zu erhalten.

Das auch unser Arbeitgeber uns nicht über den Inhalt dieses 1. Nachtrags informiert, wundert uns nicht: die immer wieder angekündigte Offenheit und Transparenz des Managements gegenüber der Belegschaft gibt es nur in deren Sonntagsreden, das sind wir schon so gewohnt.

Einige Betriebsräte verstehen anscheinend die im Betriebsverfassungsgesetz geforderte vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber nicht richtig:

Vertrauensvoll heißt nicht Vertrauensselig und auch nicht Harmonisch.