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Mirai: Kahlschlag bei der deutschen Belegschaft von Fujitsu?

Wir befürchten: ja!

Erste Gerüchte in unserem Forum auf NetzwerkIt:

Ende September eröffnet ein Teilnehmer in unserem Forum auf NetzwerkIt einen neuen Thread mit der Frage:

Mirai – mit positivem Blick in die Zukunft – für wen?

Er schreibt:

„Seit einiger Zeit schwebt ein neues, schon wieder (Jupiter) nicht offen kommuniziertes, Projekt „Mirai“ durch das Unternehmen. Eine schöne neue Unternehmensstruktur wurde präsentiert. Was genau kommt auf uns zu?
Die Kommunikation ist wie auch schon bei Jupiter unter aller Sau! Deshalb würde ich hier gern einen neuen Thread aufmachen um den Flurfunk zu kanalisieren. Wer weis genaueres? Was wird tatsächlich geplant? Kommt wieder eine Entlassungswelle auf uns zu oder geht’s diesmal sogar einen Schritt weiter? Gerüchte deuten darauf hin…Und diesmal erhärten sie sich zunehmend. Also wer weis genaueres?“

Mitteilung von Duncan Tait und Lothar Kuhn an die Belegschaft:

Ein paar Tage später werden wir von Duncan Tait und unserem obersten Betriebsrat Lothar Kuhn darüber informiert, dass Management und europäischer Betriebsrat dem neu vorgeschlagenen Betriebsmodell in der Region EMEIA zugestimmt haben. Beide versichern ausdrücklich:

„Mirai ist kein Stellenabbauprogramm“!

Konkrete Gerüchte über Betriebsschließungen:

Leider berichten Teilnehmer in unserem Forum etwas anderes, sie befürchten:

  • „ein Jupiter 2 oder noch drastischer Standortschließungen bis hin zu Geschäftsauslagerungen“
  • „Es muss beim Hardware-Geschäft wohl mit dem Ausstieg gerechnet werden“ mit Vera Schneevoigt als verantwortliche Abwicklerin
  • das der Standort Paderborn dicht gemacht wird
  • Verkauf des Bereich PSO (Product Supply Operations)
  • „Versetzung aller MA nach Augsburg und Sömmerda und Schließung des Standortes Paderborn“
  • „In PDB verstärkt sich das Gerücht, dass am Standort zum 30.09.2016 das Licht ausgeht.“

Ein Teilnehmer wird ganz konkret, er schreibt:

Gerüchte und Anzeichen:

  • Für Manager gibt es schon eine Bewerbungsplattform, auf der sie sich bis zur Wirtschaftsausschusssitzung bewerben können. An dem Tag wird das Portal geschlossen.
  • Für Paderborner Projekte gibt es wohl kein Budget für das kommende Geschäftsjahr
  • Nur 1 Azubi und keine ATZ Verträge, wegen dem geplanten Programm.
  • ERA Abgruppierungen vieler Mitarbeiter und keine Aufgruppierungen von AZUBIs und „Altfällen“ wegen Abfindungen
  • Ersatz für Herrn Seick als „Abwickler“ des Standorts Paderborn
  • Ersatz aus Walldorf wegen ggf. Übernahme kleiner Unternehmensbereiche durch SAP
  • Fujitsu wird eine reine Servicegesellschaft mit Belieferung aus Japan (1. Schritt: Schließung bzw. Verlagerung nach Augsburg; 2. Schritt: Verlagerung der Produktion nach Asien)
  • Keine Entlassungen (nur Standortschließung) und Versetzung der MA in neue Stellen in der neuen Struktur durch MIRAI (aber ggf. an einem anderen Standort). Da werden viele nicht mitgehen.
  • Standortschließung als Umgehung von Abfindungen und Sozialplan/ -vertrag
  • Eindeutige Zeichen des BR und vieler führender MA auf ein „einschneidendes Ereignis“ am 19.10
  • Empfehlung und Erlaubnis zur Bewerbung aus Richtung „höherer Kreise“
  • Doppelarbeit in vielen Projekten zwischen Paderborn und Japan sowie Paderborn und Augsburg
  • Wenig Einbindung des Standortes Paderborn in manchen Projekten, bei denen eigentlich Paderborn eine „Hauptrolle“ spielt
  • Aktuell wenig Arbeit am Standort Paderborn
  • Wenig bis keine Motivation von Seiten der Führungskräfte
  • Versetzung aller MA nach Augsburg und Sömmerda und Schließung des Standortes Paderborn. Dieser ist allerdings noch lange gemietet. Alle nicht freiwillig „gegangenen“ MA werden dann doch in PB weiterbeschäftigt bis zum Mietende
  • Jupiter wurde jetzt abgeschlossen und das Fazit hat ergeben, dass es noch nicht gereicht hat

Frühere Drohungen mit Betriebsschließungen durch Fujitsu:

Uns kommen diese Gerüchte bekannt vor.

Bereits bei den Verhandlungen zu dem Massenentlassungsprogramm JUPITER 2013 drohte Fujitsu mit:

  • Stilllegung der Betriebe Paderborn und Sömmerda, Konzentration in Augsburg
  • Stilllegung von 4 der heute 7 Betrieben der Vertriebsstandorte
  • Einschränkung des Betriebs München auf HQ-Funktionen mit nur noch 100 Mitarbeitern
  • Zusätzlicher Abbau von 500 – 1000 Arbeitsplätzen als Folge der Stilllegung
  • weiterer Abbau von 500 Arbeitsplätzen wegen des weiterhin schlechten Geschäftsverlaufs
  • Verlagerung der Baugruppenfertigung aus ABG nach Ostasien

Was wird Mirai der Belegschaft von Fujitsu bringen?

Wir denken, nach der Betriebsversammlung in Paderborn am 19.10.2015 wissen wir mehr.

Beschäftigungsgesellschaft bei Fujitsu ein Flop

Betriebsrat von Fujitsu täuscht Belegschaft über den Erfolg der Beschäftigungsgesellschaft

Anfang des Jahres verkündet unser Gesamtbetriebsrat (durch die örtlichen Betriebsräte) den Abschlussbericht der Transfergesellschaft (train):

„Nach Ende des Transferprozesses mit dem 30.11.2014 berichteten Vertreter 
der Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft TRAIN dem GBR über Verlauf 
und Ergebnis der Transfermaßnahmen. Es gab zwei Eintrittstermine in die 
Transfergesellschaft, den 01.09.2013 (293 Mitarbeiter) sowie den 01.12.2013 
mit 107 Mitarbeitern. 

Die ehemaligen Kollegen wurden an 29 Orten von insgesamt 45 Beratern betreut. 
Die anfängliche Orientierungsphase in der train wurde von den Teilnehmern 
als gut bewertet. Das anschließende Coaching wurde von den Teilnehmern 
ebenfalls positiv bewertet. 

Leider wurden nur 71% des Qualifizierungsbudgets genutzt, der überwiegende 
Anteil für EDV-Qualifizierungen (43%), gefolgt von Maßnahmen zur Entwicklung 
von Soft Skills (16%) und Sprachen (15%). 

60% der Teilnehmer waren bei Eintritt über 50 Jahre alt, davon waren 17% älter 
als 60 Jahre. Insgesamt 39% waren weiblich und somit 61% männlich. 

In Summe konnten 174 ehemalige Kollegen in ein neues Arbeitsverhältnis vermittelt werden.

Von der Gesamtsumme von 400 ehemaligen Kollegen sind zwischenzeitlich einige 
erkrankt, einige sind in Rente gegangen oder dauerhaft erwerbsunfähig geworden. 
Daraus ergibt sich eine Gesamtintegrationsquote in den Arbeitsmarkt von 61%. 

Dieser Wert ist deutlich besser als noch vor einigen Monaten angenommen, 
aber deutlich geringer als vor Beginn der Maßnahme prognostiziert wurde.“

Da fragt sich die Belegschaft von Fujitsu:

Warum beschönigt unser Betriebsrat das in Wahrheit sehr schlechte Ergebnis der BQG (Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft) und behauptet, 61% wären in den Arbeitsmarkt integriert worden?

Diese Vermittlungsquote von 61% mag aus Sicht der Gesellschaft TRAIN nach Schönrechnerei vielleicht stimmen, aber warum gibt der GBR das unkommentiert an die Belegschaft weiter? Der GBR sollte nicht Sprachrohr von TRAIN sein sondern die Interessen der Belegschaft vertreten!

Aus Sicht der Belegschaft stellt sich das Ergebnis der BQG so dar, dass insgesamt 400 Kollegen und Kolleginnen in diese BQG eingetreten sind und nur 174 von ihnen wurden vermittelt.

Die Gesamtintegrationsquote in den Arbeitsmarkt beträgt also nur 43%!

(oder seit wann zählen nicht vermittelte Kranke, Rentner und Erwerbsunfähige als im Arbeitsmarkt integriert?)

Wie viele von diesen 43% auch die Probezeit im neuen Arbeitsverhältnis überstehen oder wie lange deren selbständige Tätigkeit wirtschaftlich tragfähig ist wissen wir nicht.

Das während der BQG-Zeit einige (nach den Zahlen des GBR müssen das immerhin 70 Kollegen und Kolleginnen sein!) erkrankt oder dauerhaft erwerbsunfähig geworden sind (vielleicht sogar als Folge der Drangsalierungen durch das Management von Fujitsu in die BQG einzutreten oder wegen der Hoffnungslosigkeit auf einen neuen Job durch die BQG?) darf doch nicht als Erfolg der BQG gewertet werden.
Und ob diejenigen, die frühzeitig in Rente gegangen sind das auch getan hätten, wären sie nicht aus Fujitsu heraus gedrängt worden, wissen wir auch nicht, darf aber ebenfalls nicht als Erfolg der BQG gewertet werden.

Wenn nur 71% des Qualifizierungsbudgets genutzt wurden, warum wurden die restlichen Geldmittel nicht zur Verlängerung der BQG genutzt?

Wie hoch war dieses Qualifizierungsbudget und wo bleibt das restliche Geld?

Laut Sozialplan 2.II.10 stellte Fujitsu für Qualifizierungsmaßnahmen pro Mitarbeiter 1500 Euro zur Verfügung als personenungebundene Pauschale. Bei 400 Mitarbeitern sind das insgesamt 600000 Euro. Ob weitere Gelder, zum Beispiel von der BA (Bundesagentur für Arbeit), dazugekommen sind, wissen wir nicht.
Falls die Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft die übrig gebliebenen 29% der Gelder, das sind mindestens 174000 Euro, behalten darf: welchen Ansporn sollte die Gesellschaft gehabt haben, sämtliche Gelder zur Qualifizierung unserer ehemaligen Kollegen und Kolleginnen zu nutzen?

Eine Verlängerung der BQG hätte durchaus im Sozialplan vereinbart werden können, ein Beispiel dafür ist hier zu finden

Kann unser Betriebsrat nicht rechnen?

43% + 16% + 15% = 74%, und nicht 71%, so wie vom BR verkündet.
Welche Zahlen sind nun richtig?

Was war Grundlage für die besser angenommen Prognose zu Beginn der BQG?

Hat der Betriebsrat selbst mit Teilnehmern in der BQG gesprochen?

Erfahrungen anderer Teilnehmer in BQGs waren nicht so positiv.

Bereits Mitte 2014 berichtete uns der Gesamtbetriebsrat:

„Bericht von der Transfer- und Integrations GmbH(Train) 
Als Folge des Jupiter-Programms sind ca. 400 ehemalige Mitarbeiter 
in der Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft beschäftigt. 
64 Mitarbeiter konnten aktuell wieder in eine neue Beschäftigung vermittelt 
werden. Aus Sicht des GBR’s ist diese Quote unbefriedigend.“

Da fragt sich die Belegschaft von Fujitsu:

  • Wenn bereits Mitte 2014 bekannt war, dass der Erfolg der BQG unbefriedigend ist, warum haben unsere Betriebsräte nicht auf eine Verlängerung der BQG gedrängt?
  • Seltsam: kurz vor dem Ende der BQG für den größten Anteil der Mitarbeiter (293) zum 31.8.2014 waren erst 64 Mitarbeiter vermittelt; dann plötzlich dieser „Vermittlungsendspurt“ von weiteren 110 Mitarbeitern!
    Wie ist das zu erklären?
  • Warum ist die Möglichkeit einer Verlängerung der BQG nicht bereits im Sozialplan vereinbart worden?

Unser Fazit zum Massenentlassungsprogramm JUPITER:

Das Management von Fujitsu hat sein Ziel erreicht, möglichst geräuschlos nahezu 20% der Belegschaft von der Payroll zu entfernen. Der (Gesamt)Betriebsrat hat sich mal wieder als unkritischer Erfüllungsgehilfe des Managements herausgestellt und geholfen, dessen Ziele gegen die Interessen seiner Wähler durchzusetzen.

Getreu dem Motto: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ hat es unser Betriebsrat dem Management von Fujitsu von Anfang an leicht gemacht, dessen Interessen gegenüber der Belegschaft durchzusetzen:

Anstatt Verhandlungen über angeblich notwendige Betriebsänderungen in jedem Betrieb zu führen und damit das Beste für jeden einzelnen Betrieb herauszuholen, machten es sich die gleichgeschalteten Betriebsräte der einzelnen Betriebe einfach und beauftragten den Gesamtbetriebsrat zu Gesamtverhandlungen.

Warum wählen wir eigentlich noch Betriebsräte zur Vertretung unserer Interessen, wenn diese gewählten Betriebsräte im Ernstfall ihre Verantwortung abgeben?

Die „Verhandlungen“ zu JUPITER führte dann das Management von Fujitsu mit ihnen schon aus anderen „Verhandlungen“ alt bekannten Gesichtern, aus einem Gremium (Gesamtbetriebsrat), das wir nicht direkt gewählt haben.

Über das Ergebnis dieser „Verhandlungen“ haben wir hier berichtet.

Mit dem Argument der schlechten wirtschaftlichen Lage des Unternehmens Fujitsu erpresste das Management sogar einen neuen (natürlich für Fujitsu billigeren) Sozialplan unseren „Interessenvertretern“ vom Gesamtbetriebsrat ab.

Pikant: wie sich später herausstellte, führte das gleiche „arme“ Unternehmen Fujitsu etwa Zeitgleich Verhandlungen mit IBM und bot mehrere Milliarden Dollar für dessen Serversparte!

Auch vor geheimen Vereinbarungen mit dem Arbeitgeber schreckt unser Betriebsrat nicht zurück: so haben wir bereits hier in unserem Blog nach dem Inhalt des 1. Nachtrag zum JUPITER Sozialplan gefragt, leider ohne bis heute eine Antwort zu erhalten.

Das auch unser Arbeitgeber uns nicht über den Inhalt dieses 1. Nachtrags informiert, wundert uns nicht: die immer wieder angekündigte Offenheit und Transparenz des Managements gegenüber der Belegschaft gibt es nur in deren Sonntagsreden, das sind wir schon so gewohnt.

Einige Betriebsräte verstehen anscheinend die im Betriebsverfassungsgesetz geforderte vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber nicht richtig:

Vertrauensvoll heißt nicht Vertrauensselig und auch nicht Harmonisch.

Fujitsu bietet Milliarden für IBM Serversparte aber spart massiv bei eigener Belegschaft

Nahezu unbeachtet von der deutschen Presse (Computerwoche, Spiegel) hat neben Lenovo und Dell auch Fujitsu für die X86 Serversparte von IBM geboten. So jedenfalls ist es in der englischsprachigen Presse zu lesen.

Ein Leser unseres Blogs machte uns auf diesen Artikel auf bloomberg.com aufmerksam:
Hier wird berichtet, dass Fujitsu sogar ein höheres Angebot abgab als die 2,3 Milliarden Dollar von Lenovo.
Geld ist bei Fujitsu also genügend vorhanden!

Interessant für die Fujitsu Belegschaft ist:

Das Milliarden Dollar Angebot von Fujitsu erfolgte während des Massenentlassungsprogramms JUPITER !

Wir erinnern uns:
Die JUPITER-Programmziele sind:

  • jährliche Einsparungen von 120 Millionen Euro durch Massenentlassungen von 1500 FTE ( Fulltime Equivalent, also Vollzeitstellen), davon allein fast 1000 in Deutschland (etwa 20% der deutschen Belegschaft !)
  • jährliche Einsparungen von 20 Millionen Euro durch Reduzierung der Sachkosten
  • jährliche Einsparungen von 10 Millionen Euro durch Prozess- und IT-Neuausrichtung

Um auch bei den Massenentlassungen selbst noch sparen zu können, setzt Fujitsu den Betriebsrat massiv unter Druck (wir würden das Erpressung und eine strafbare Störung des Betriebsrat nennen):
Der Betriebsrat muss einen bereits bestehenden Sozialplan durch einen für Fujitsu billigeren Sozialplan ersetzen.
Wir haben darüber ausführlich zum Beispiel hier und hier in unserem Blog berichtet.

Pikant ist:
Der massive Druck durch Fujitsu auf den Betriebsrat wird mit:

„Verschärfende Einflussfaktoren
	- Keine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens durch 
	  weiterhin schlechte Geschäftsentwicklung im April/Mai 2013“

begründet.

Etwa zur gleichen Zeit erfolgte das Milliarden Dollar teure Angebot von Fujitsu an IBM (laut Pressebericht)!

Nach dem BetrVG hätte der Betriebsrat über die wirtschaftliche Situation des Unternehmens voll informiert sein müssen, denn der §106 verlangt:

(2) Der Unternehmer hat den Wirtschaftsausschuss rechtzeitig und umfassend über 
    die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Unternehmens unter Vorlage der 
    erforderlichen Unterlagen zu unterrichten, …
…
3) Zu den wirtschaftlichen Angelegenheiten im Sinne dieser Vorschrift gehören 
   insbesondere 
1. die wirtschaftliche und finanzielle Lage des Unternehmens;

Wenn Fujitsu in der finanziellen Lage ist, ein Angebot von über 2,3 Milliarden Dollar zu machen:
Warum wusste unser Betriebsrat nichts davon?

Zur Reduzierung der Sachkosten berichtet die Belegschaft über folgende Sparmaßnahmen seitens Fujitsu:

  • Reduzierung der Flächenkosten:
    Die Schaffung von Arbeitsplätzen in billigen Großraumbüros und das Desk-Sharing werden weiter intensiviert. Warum soll auch jeder Mitarbeiter seinen eigenen festen Arbeitsplatz haben?
    In München wurde der Mietvertrag für das Bürogebäude in der Domagkstrasse nicht verlängert. Für 400 Mitarbeiter wurden kurzfristig 6 Stockwerke im High-Light-Tower frei geräumt durch Verdichtungsumzüge innerhalb des Towers. Klagen der Belegschaft wegen noch schlechterer Arbeitsbedingungen als bereits zuvor werden weder von der Betriebsleitung noch vom Betriebsrat beachtet, berichten Mitarbeiter.
    Spart Fujitsu Kosten durch Gefährdung der Gesundheit der Belegschaft?
    Berichte von Betriebsräten über einen wachsenden Krankenstand und verschiedene Berichte im Internet wie zum Beispiel beim Spiegel bei der Zeit auf ergo-online oder zeitblueten sprechen dafür.
  • Einstellung der professionellen Blumenpflege in den Büros:
    Die Geschäftsführung beschließt, dass die Belegschaft sich selbst darum kümmern muss.
  • Bei Besprechungen (auch mit Gästen und Geschäftspartnern) wird nur noch Kaffee und Leitungswasser angeboten, keine Flaschengetränke.
  • Auch beim Strom heißt es: Sparen, koste es was es wolle!
    Es wird von Stromsparwettbewerben berichtet mit Preisverleihung und der aktuelle Stromverbrauch kann im Intranet betrachtet werden.
    Der Betrieb von Klimaanlagen wird „optimiert“.
    Die Deckenbeleuchtung in den Büros wird mehrmals während der Arbeitszeit ausgeschaltet (wer das Licht braucht, darf es aber wieder einschalten!).
    Auch wird von der Rationierung des warmen Wassers an den Handwaschbecken der Toilettenanlagen berichtet.
    Arbeitskreise werden eingerichtet um zu entscheiden, welche Server an Betriebsschließungstagen ausgeschaltet werden dürfen und welche nicht; anschließend wird stolz über die gesparten Peanuts berichtet.
    Energie-Manager werden ernannt und mit dem Energie-Team wird über weitere Spar-Orgien nachgedacht.
    Energieratgeber werden erstellt und an die Belegschaft verteilt.
    Gesamtmotto: Was brauchen wir noch Kunden, wir können uns viel besser mit uns selber beschäftigen!
    Der Ideenreichtum einiger selbstherrlicher Betriebsleiter scheint grenzenlos zu sein.
  • Die Belegschaft wird bedrängt, ihren Urlaub innerhalb des laufenden Kalenderjahres zu nehmen. Die Planung dafür soll bereits bis Ende Juni erfolgt sein und das muss auch von den Vorgesetzten kontrolliert werden. So will man Rückstellungskosten sparen.
    Das laut Tarifvertrag der Urlaubsanspruch aber erst am 31.3. des Folgejahres verfällt scheint Fujitsu nicht zu interessieren.
  • Zwangsurlaub: Über Weihnachten und Neujahr werden die Betriebe für 2 Wochen geschlossen, die Belegschaft muss für diese Zeit Urlaub nehmen oder Gleitzeitguthaben aufbrauchen.

Auf einer Betriebsversammlung im Oktober 2013 fordert der Betriebsrat daher richtig:

  • Schluss mit Personalabbau!
  • Keine betriebsbedingten Kündigungen!
  • Keine erzwungenen Standortwechsel oder sonstigen Drangsalierungen von Mitarbeitern!
  • Schluss mit der Kakophonie durch sinnlose Spar-Orgien bei Kalt-, Warmgetränken, Catering bei Meetings, Blumenpflege mit homöophatischen Kosteneffekten
  • Verhindern von Überlastungen durch Arbeitsverdichtung
    Lernen aus den Burn-Out-Vorfällen der Vergangenheit
  • Kosten sparen durch Motivation:
    Gallup-Studie 2012: Einem Unternehmen mit 1000 Mitarbeitern entstehen durch Demotivation jährliche Mehrkosten von etwa 307000 Euro. Das sind bei FTS ca. 1,5 Millionen Euro

Nur, liebe Betriebsräte, ist es sinnlos, auf Betriebsversammlungen selbstbewusst Forderungen aufzustellen, aber dennoch alles zu unterschreiben was der Arbeitgeber euch vorlegt.

Demotivation der Belegschaft zeigt sich auch in Mitarbeiterbefragungen:

Dieser auch bereits vor dem Start des Massenentlassungsprogramms JUPITER vorherrschende Sparwille des Fujitsu Managements an der Belegschaft, zeigt sich auch am Ergebnis der jährlichen Mitarbeiterbefragungen, zuletzt der von 2013 in CEMEA&I.
Hier einige Ergebnisse aus dieser Mitarbeiterbefragung:

  • Der Aussage:“There are no significant barriers at work to doing my job well“ können nur 57% der Belegschaft zustimmen. Nicht jeder kann und mag in Großraumbüros arbeiten.
  • Der Aussage:“Conditions in my job allow me to be about as productive as I can be“ können nur 52% der Belegschaft zustimmen. Liegt das nur an den Großraumbüros oder auch an selbstherrlichen Vorgesetzten und arroganten Managern?
  • Der Aussage:“I have good opportunities for learning and development“ können nur 39% der Belegschaft zustimmen. Wer kennt nicht die Diskussionen mit seinen Vorgesetzten, ob die Anschaffung eines bestimmten Fachbuchs oder der Besuch eines Weiterbildungskurs auch wirklich notwendig sind?
  • Der Aussage:“The better my performance, the better my pay will be“ können nur 16% der Belegschaft zustimmen. Das spricht nicht für einen wirklichen Fachkräftemangel in Deutschland, denn sonst würde eine Belegschaft sich das nicht bieten lassen und kündigen. Hier nutzt Fujitsu schamlos den Zustand aus, dass die Belegschaft überaltert ist (Altersdurchschnitt ca. 50 Jahre) und auf dem Arbeitsmarkt keine Chance mehr hat.
  • Der Aussage:“I have the resources (i.e., tools and IT equipment) I need to do my job effectively“ können nur 68% der Belegschaft zustimmen. Und das bei einem IT-Unternehmen, das selbst IT Equipment herstellt und verkauft: ein drittel der Belegschaft bekommt nicht die Arbeitsmittel die sie braucht!
  • Der Aussage:“I get back a fair return (financial rewards, job satisfaction, etc.) for what I give (effort, performance) at work“ können nur 46% der Belegschaft zustimmen.
  • Der Aussage:“I receive the training I need to do my job well“ können nur 45% der Belegschaft zustimmen.
  • Der Aussage:“Things have changed in a positive way in the last 12 months“ können nur 15% der Belegschaft zustimmen. Trotz bereits schlechter Umfragewerte der letzten Jahre ändert sich fast nichts. Mitarbeiterbefragungen bei Fujitsu also als Selbstzweck und reines Stimmungsbarometer für das Management?

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wo wird in eurem Betrieb sonst noch gespart und was haltet ihr von den Sparmaßnahmen?

Schreibt uns und wir werden darüber weiter berichten!

Oder noch besser: schreibt keine „private Nachricht an den Author“ sondern antwortet direkt in dem dafür vorgesehenen Feld „öffentlichen Kommentar verfassen“ hinter jedem Beitrag ganz unten im Blog. Andere sehen dann was ihr schreibt und können darauf antworten.

Oder ihr diskutiert in unserem Diskussionsforum auf www.netzwerkit.de/projekte/fts/foren mit anderen aus der Belegschaft.

Ihr könnt auch einen eigenen Blogbeitrag veröffentlichen, entweder auf:
www.netzwerkit.de/projekte/fts/blog
oder ihr schickt uns den Beitrag als private Nachricht und wir stellen den Beitrag auf Anforderung von euch dann in diesen Blog.

Bitte beteiligt euch, nur durch Einbeziehung der Öffentlichkeit haben wir eine Chance, nicht weiter als „Human Resource“ bei FUJITSU behandelt zu werden sondern als Menschen.

Bedenkt bitte: Auch ihr selbst könntet durch das nächste Entlassungsprogramm betroffen sein, es wird nicht immer nur die anderen treffen!

Fujitsu Belegschaft misstraut Beendigung von Massenentlassungsprogramm JUPITER

Kurz vor Weihnachten informieren uns Jürgen Walter (Vorsitzender der Geschäftsführung FTS GmbH) und Enno Jackwerth (Arbeitsdirektor FTS GmbH) in einer E-Mail, dass der im Rahmen des Programms Jupiter beschlossene Personalabbau in Deutschland abgeschlossen sei. Sie betonen in ihrer E-Mail, dass der Personalabbau ausschließlich durch einvernehmliche Vertragsbeendigungen erfolgte und deshalb auf betriebsbedingte Beendigungskündigungen verzichtet werden konnte.

Wenig später informiert uns auch der Gesamtbetriebsrat (durch die örtlichen Betriebsräte) über die bereits erfolgte Mitarbeiterinformation des Unternehmens.
Zu dem angekündigten Verzicht von Fujitsu auf betriebsbedingte Kündigungen schreibt der Gesamtbetriebsrat:

„Damit wurde jetzt endlich der zentralen Forderung des GBR im Rahmen von Jupiter entsprochen,
die der GBR während des gesamten Jupiter-Prozesses nachdrücklich vertreten hat.“

Da fragt sich die Belegschaft von Fujitsu:

  • Wann gibt es einen 3. Nachtrag zum JUPITER Sozialplan, in dem das Ende des Programms Jupiter rechtsverbindlich festgehalten wird?
  • Wie viele MitarbeiterInnen wurden in der „2. Runde“ von Fujitsu erneut drangsaliert ihren Arbeitsplatz aufzugeben?
    Wie viele haben daraufhin das Angebot angenommen?
    Gab es weitere „Freiwillige“?
    Nur mit Kenntnis dieser Zahlen ist der Verzicht von Fujitsu auf betriebsbedingte Kündigungen und der angebliche Forderungserfolg des Betriebsrats von der Belegschaft bewertbar!
  • Wann werden wir endlich über den Inhalt des 1. Nachtrag zum JUPITER Sozialplan informiert?
    Warum schließt der Betriebsrat Geheimvereinbarungen mit Fujitsu?
  • Warum kommt unser Betriebsrat weiterhin nicht seiner Informationspflicht gegenüber der Belegschaft nach?
    Offensichtlich reicht es nur zu Statements beim Betriebsrat; dass wir eine Mitarbeiterinformation von dem Unternehmen erhalten haben wussten wir selber.

Die Belegschaft von Fujitsu stellt fest:

  • Die Behauptung von Fujitsu, dass „der Personalabbau ausschließlich durch einvernehmliche Vertragsbeendigungen erfolgte“ ist ein Euphemismus.
    Die Auswahl der betroffenen Mitarbeiter erfolgte allein durch Fujitsu nach den wirtschaftlichen Interessen der Firma, es gab keine Sozialauswahl.
    Die betroffenen Mitarbeiter wurden mit betriebsbedingter Kündigung bedroht, falls sie nicht „einvernehmlich“ der Vertragsbeendigung zustimmen.
    Wir würden das als „Nötigung“ oder auch „Erpressung“ bezeichnen!
  • Der Betriebsrat von Fujitsu widerspricht dem Euphemismus der „ausschließlich einvernehmlichen Vertragsbeendigungen“ nicht, sieht dass sogar als sein Erfolg!
  • Der Betriebsrat von Fujitsu gibt sich mit der Illusion zufrieden, dass seine „zentralen Forderungen“ angeblich durch Fujitsu erfüllt wurden.
  • Die örtlichen Betriebsräte sehen sich als Sprachrohr des Gesamtbetriebsrats und geben ihre Verantwortung gegenüber ihren Wählern ab.

Die Belegschaft von Fujitsu befürchtet:

  • In Zukunft erfolgen weiter Scheinverhandlungen mit dem Arbeitgeber, in denen Arbeitnehmerrechte verraten und Firmeninteressen durchgesetzt werden.
  • Der Betriebsrat setzt auf Appelle und Forderungen weil zu mehr deren Mut nicht reicht.